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'welcome' comp reviewed by martin buesser
published in testcard #15 (march
2006)
english translation in due course
NB. i had to anglicise the
spelling.
will post a scan when we have one.
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VERSCHIEDENE
Homocrime Compilation (DoCD)
Homocrime ist der Name eines queeren "Do It Yourself"-Clubs in London, aus dem das gleichnamige Label hervorging.
Dessen erste Serie von CD-Rs im 3 zoll-Format sowie die beiden CD-Sampler Ho-Ho-Homocrime und Amateurs Do
It For Love sind nun auf einer Doppel-CD mit uber zwei Stunden Spielzeit erhaltlich. Solange Queerness in der
Gesellschaft noch einen Aussenseiterstatus einnimmt, konnte man die Philosophie der hier vertretenen Kunstler
zusammenfassen, sollte queere Musik auch nach "Outsider Music" klingen. Und Letzteres ist nicht als Stigma gemeint,
sondern als lebensfrohes Bekenntnis zu Dilettantismus und einer grundsatzlich schlaffen Wimp-Haltung. Der Titel
des zweiten, auf dieser Compilation vertretenen Samplers, auf dem sich auch die in dieser testcard besprochenen
Lesbo Pig und Humousexual vertreten sind, Amateurs Do It For Love, bringt
die Musik auf den Punkt: Diese Kunstler stehen stolz zu ihrer Amateurhaftigkeit. Hier geht es einzig um die Liebe
zur (wenn auch nicht nur) Musik. Den Auftakter bilden The Battys,
die auch gleich aus dem Rahmen fallen: Ihre Songs mit Titeln wie "Querelle" und "Man Train!" sind larmig-uberdreht,
ganz in Queerpunk-Tradition von Bands wie den Dicks. Alle anderen hier vertretenen Bands sturzen allerdings nicht
punkig mit der Tur ins Haus, sondern bevorzugen Casio und Wandergitarre. The Firmturds,
Winston Echo
und Truly Kaput stehen einerseits in der Tradition des "Naive Pop" mit Wurzeln bei Jonathan Richman
und Daniel Johnston, angereichert mit einer gehorigen Spur Wimp-Pop a la Orange Juice, TV Personalities oder King Of
Luxembourg. Perfektion ist zweitrangig. Hier durfen die Gitarren verstimmt schrammeln, da wird beherzt auf einer
Violine gesagt und auf das Kinderxylophon eingekloppelt - wer Etiketten braucht, kann das auch als Antifolk
kategorisieren. Wichtiger aber, als Schubladen aufzumachen, ist die alle Gruppen verbindende Haltung, die eine neue
musikalische Sprache queeren Begehrens anschlagt - an keiner Stelle betroffen, aber auch nicht bewusst artifiziell
gehalten, exaltiert oder glamouros wie im Pop der fruhen 1980er, sondern ebenso unpratentios wie hausmusikalisch
intim. Texte wie "Horny Tattooed Cycle Courier Boy" (The Firmturds) oder "View From Gay Head"
(The 1-2-3s) behandeln Queerness ganz direkt, pfeifen darauf, irgendetwas zu verschlusseln. Dadurch
bekommt Cat Stevens' "Sing Out", gecovert von Ghost Mice, mit Zeilen wie
"If you wanna be free, be free,/ if you wanna live high, live high/ if you wanna live low, live low" eine ganz neue
Bedeutung. Diesen neuen Talenten jenseits des grossen Popmarktes geht es weder um Popularisierungsstrategien,
Queerness erfolgreich nach aussen zu tragen, noch um Exklusivitatsanspruch, sondern um grossartig abgedrehte und
doch catchy poppige Musik, der Queerness ganz einfach als Klammer
dient.
MB
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